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Das Museum ist bis zum 19.06. wegen Umbauarbeiten geschlossen. Wir bedanken uns bei allen Besucher:innen von "775 - Westfalen" für Ihr Interesse!

Ab April findet jeden ersten Mittwoch im Monat um 17 Uhr wieder unser Archäologischer Stadtrundgang am Abend statt. Tickets können online oder zu Beginn der Führung in Bar erworben werden.

Der reisende König

1. Oktober 2008 bis 4. Januar 2009

Das ostfränkische und das spätere deutsche Reich verfügten über keine feste Hauptstadt. Zur Herrschaftsausübung reisten die Könige und Kaiser durch das gesamte Land. Mit ihnen waren die Mitglieder der Familie und der Hofkapelle sowie Bischöfe, Adelige und Soldaten unterwegs. Als Stationen wurden im ganzen Reich Pfalzen eingerichtet. Sie waren Schauplatz wichtiger Hoftage, Synoden und hoher kirchlicher Feste. Die Teilnahme an dem Umritt setzte eine hohe physische Stabilität voraus, denn weite Strecken wurden auf dem Rücken eines Pferdes zurückgelegt. So reiste Konrad II. im Jahr 1036 ca. 4750 km durch das Reich und bis nach Italien.

Die Ausstellung zeigte die Pfalzen als wichtigste Station des reisenden Königs und beleuchtete ihre Architektur, Funktion und die mit ihnen verbundenen Personen. Den Ausgangspunkt bildete das Paderborner Pfalzgelände, das mit einer karolingischen und einer ottonisch-salischen Pfalz zwei wichtige Epochen abdeckt. Die Ausstellung verglich die Paderborner Pfalzen mit denjenigen in Ingelheim, Werla und Tilleda und präsentierte somit eine bisher nicht dagewesene Zusammenstellung.

Drei Kapitelle und eine Säulenbasis.

Zu den Exponaten aus Ingelheim zählten prächtige Kapitelle, qualitätsvolle Bodenplatten aus Marmor, Schiefer und Kalkstein sowie zahlreiche weitere architektonische Elemente. Sie sollten den repräsentativen Charakter der Anlage zur Zeit Karls des Großen hervorheben, der sich bestens als Hintergrund zur Herrschaftsausübung eignete.

Die Funde und die bauliche Gestaltung der Pfalzen Werla und Tilleda belegen, dass Königspfalzen nicht nur Orte der Herrschaft, sondern auch der Versorgung waren. Denn es war ein Großereignis, wenn der König mit seinem Hof tagte. Zahlreiche Begleiter mussten verpflegt werden, Pferde brauchten neue Hufeisen, und Reparaturen an der Ausrüstung mussten vorgenommen werden. Gab es bei der Verpflegung Engpässe, konnte es zu tumultartigen Übergriffen kommen. Unter den Exponaten aus Werla und Tilleda befanden sich Hufeisen und Sporen, Handwerksgerät und Produktionsabfälle sowie Spielsteine und ein Jagdbolzen.

Ein großformatiges Modell des Pfalzortes Paderborn im 11. Jahrhundert, ein Modell der Pfalz Tilleda in ottonischer Zeit sowie eine aufwendige Computeranimation der königlichen Halle der Pfalz Ingelheim gaben ein anschauliches Bild der königlichen Reisestationen.