check-circle Created with Sketch.

Leben am Toten Meer. Archäologie aus dem Heiligen Land

8. Mai – 11. Oktober 2020

Seit vielen Jahren sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres um durchschnittlich etwa einen Meter pro Jahr. Geht dies so weiter, könnte der einzigartige Salzsee zwischen Israel, Westjordanland und Jordanien bald verschwunden sein – und damit eine besondere Naturerscheinung. Was von den Menschen bleibt, sind archäologische Funde, die bis zu 12.000 Jahre zurückreichen – Zeugnisse eines einzigartigen Kulturraums. Diese zeigte die Sonderausstellung „Leben am Toten Meer – Archäologie aus dem Heiligen Land“, die vom 24. Juli bis 15. November 2020 im LWL-Museum in der Kaiserpfalz zu sehen war.

Trotz seiner lebensfeindlichen Bedingungen haben sich seit jeher Menschen an den Ufern des Toten Meeres niedergelassen. Die frühen Bewohner suchten Zuflucht in den Höhlen am Rande des Salzmeeres, bevor sie anfingen, in unmittelbarer Nähe erste Siedlungen zu bauen. So gilt Jericho gemeinhin als älteste Stadt der Welt. In der Antike war die Region um das Tote Meer berühmt für Salz, Bitumen, das zur Herstellung von Asphalt verwendet wurde, Datteln und insbesondere für seine Balsamproduktion. Aus Balsam wurden kostbare Parfums und Salben hergestellt, die schon Kleopatra begehrte. Auch die heilende Wirkung des Toten Meeres war früh bekannt – so wusste Herodes der Große die Bäder im salzigen Wasser sehr zu schätzen.

Zeugnisse der Vergangenheit

In acht Themenbereichen präsentiert das LWL-Museum in der Kaiserpfalz die vielfältige Kulturgeschichte des Toten Meeres von den ersten Spuren der Menschheit vor 12.000 Jahren bis zur Zeit des Frühislams in ihrer gesamten Bandbreite. Natur und Selbsterhaltung zeigt, wie die Menschen der lebensfeindlichen Wüstenregion und dem salzigen Wasser trotzten und ihr Überleben sicherten. Dass die Menschen den Salzsee trotzdem seit jeher wegen seiner heilenden Wirkung und der Balsamsträucher in seiner Umgebung zu schätzen wussten, dokumentiert der Bereich Wellness.

Capta-Münze
Dalman-Flasche
Kupferzepter, um 3500 v. Chr
Bemaltes Kosmetikfläschchen

Macht, Religion und Kultur

Höhlen, Dörfer und Städte thematisiert die Siedlungsgeschichte am Toten Meer. Im Bereich Macht und Ohnmacht wird deutlich, dass die Region seit jeher umkämpft gewesen ist. So war die Festung Masada der letzte Zufluchtsort jüdischer Kämpfer vor den anrückenden Legionen Roms und ist heute Weltkulturerbe.

Kult und Religion beschäftigt sich nicht nur mit den drei großen monotheistischen Religionen, sondern zeigt auch Relikte älterer Kulte, die uns heute Rätsel aufgeben. Auch der Forschungsgeschichte ist ein eigener Bereich gewidmet, denn renommierte Archäologen haben über Jahrzehnte in Qumran und Jericho gegraben und tun das bis heute noch.

Die Textilien sind ein Highlight der Sonderausstellung, denn wie alle organischen Stoffe zersetzen auch sie sich im Laufe der Zeit und verschwinden. Nur unter besonderen Umständen überdauern sie die Jahrhunderte. In der Region am Toten Meer sind sie wegen der immensen Trockenheit ausgezeichnet erhalten geblieben. Die Stoffe sind nicht nur schön anzusehen, sondern liefern auch einen wissenschaftlichen Mehrwert. So weisen sie auf den sozialen Stand der Besitzer hin, auf Religionszugehörigkeit und über die Materialien und Verarbeitung auch auf Mobilität und Handelsbeziehungen der Region.

Das trockene Klima kam auch den Pergamentrollen von Qumran zugute. Die Entdeckung dieser ältesten zusammenhängenden Bibeltexte in den Höhlen in der Nähe von Khirbet Qumran sorgte im Winter 1946/47 für weltweites Aufsehen. Inzwischen sind die einzelnen Rollen über die ganze Welt verteilt und im Besitz von Museen, Instituten und privaten Sammlern. Anlässlich der Sonderausstellung werden einige Stücke im LWL-Museum in der Kaiserpfalz gezeigt.

Weitere Höhepunkte der Ausstellung sind zwei Handschriften aus dem 5. Jahrhundert. Dazu zählt die älteste bekannte Abschrift der Historia naturalis, einem Nachschlagewerk des antiken Gelehrten Plinius des Älteren. Plinius bezeichnet das Tote Meer als Asphaltsee und beschreibt die für die Region bis heute typischen Balsamsträucher und Dattelpalmen. Die zweite Handschrift, eine Abschrift des Buchs Ezechiel aus dem Alten Testament, betont die Lebensfeindlichkeit des Toten Meeres. Der Prophet Ezechiel weissagt einen heilenden Strom, der auch das Tote Meer heilen wird, sodass Fische darin leben können.