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Nahaufnahme des Modells von Stadtmauer und Bastion mit der Ausstellung im Hintergrund (Foto: LWL/Karl)

Aber sicher! Die Paderborner Stadtmauer zwischen Mittelalter und heute

30.11.2021 bis 27.03.2022

Mächtige Mauern, hohe Türme und eindrucksvolle Bastionen prägten das Bild Paderborns im Mittelalter. Die Stadtmauer war sowohl zur Verteidigung als auch als wirtschaftliche und rechtliche Grenze von großer Bedeutung für die Stadt. Heute ist für die Stadtarchäologie in Paderborn die Erfassung der Stadtbefestigung, ihr Verlauf, ihre Öffnungen und Zugänge ein hochrelevantes Thema. Viele Baustellen betreffen den Bereich der Mauer und des Stadtgrabens und konnten in den letzten Jahren untersucht werden. Die neue Foyerausstellung Aber sicher! zeigt die Ergebnisse der Grabungen der Stadtarchäologie in einem historischen Kontext. 

Archäologie an der Stadtmauer

Seit 2019 wird die neue Zentrale Omnisbus Haltestelle in Paderborn dort eingerichtet, wo bis zum 19. Jahrhundert noch die Stadtmauer stand. Durch die Bauarbeiten kommt es immer wieder zu Rettungsgrabungen, die archäologische Befunde sichern sollen, bevor sie für immer verschwinden. So auch im Juni 2021, als an der Ecke Westernmauer/ Marienstraße nur 40 cm unter Straßenniveau die Mauerfundamente einer Bastion zutage kamen. Zusätzlich zu den bereits ergrabenen Mauerresten und Fundamenten von drei Halbtürmen erzeugt dieser Grabungsbefund ein Bild einer mächtigen Verteidigungsstruktur im Westen der Stadt. Bei archäologischen Grabungen innerhalb des Stadtmauerrings werden seit Jahrzehnten Funde geborgen. Kanonenkugeln zur Verteidigung im 30-jährigen Krieg oder Siegel, die durch Handel vor mehr als 200 Jahren aus den Niederlanden gekommen sind, zeigen die regionale Bedeutung der Stadt im Mittelalter und der Neuzeit.

Archäologen bei der Grabung an der Westernmauer/Marienstraße (Foto: EggensteinExca/LWL)

Die Ausstellung

Die neue Foyerausstellung Aber sicher! Die Paderborner Stadtmauer zwischen Mittelalter und heute zeigt die Ergebnisse der Grabungen der Stadtarchäologie in den letzten Jahren in einem historischen Kontext. Früheste Abbildungen der Stadtmauer sind auf städtischen Siegeln zu sehen. Zu Beginn können die Besucher ein solches an einer Urkunde aus dem Stadtarchiv von Paderborn erkennen. Nachfolgend sind neben historischen Zeichnungen und Malereien auch archäologische Funde zu Thema Mauerbau, Handel und Verteidigung ausgestellt. Meißel, Münzen und Morgenstern werden von informativen Texten mit Hintergrundinformationen und interessanten Fakten begleitet. Zusätzlich kann man anhand von Grabungsplänen und Bildern einen Eindruck in die Grabung an der Westernmauer gewinnen.

Ein Einblick in einen Teil der Sonderausstellung "Aber sicher!" (Foto: LWL/Karl)

Das Modell

Im Zentrum der kleinen Foyerausstellung steht das Modell der Stadtmauer mit der Marienschanze. Es spiegelt den Erkenntnisgewinn wieder, der durch die Ausgrabungen der letzten zwei Jahre an der Westernmauer ermöglicht wurde: die Bastion zwischen Westerntor und Neuhäuser Tor gab es wirklich! Die Befestigungsanlage wurde auf historischen Zeichnungen angedeutet , konnte aber bis jetzt nicht bewiesen werden. Auf Grundlage der Grabungspläne in Kombination mit historischen Abbildungen, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind, hat Modellbauer Jens Oliver Mühlenbein den historischen Mauerabschnitt im Maßstab 1:100 nachgebaut. Drei Wochen hat er für den Grundstock gebraucht, der jetzt im Museum zu sehen ist. In den ersten Wochen der Ausstellung wurde Paderborns mittelalterliche Befestigung noch mit Kanonen, Spießbürgern und weiteren Details ergänzt.

Modell der neu ergrabenen Bastion und einem Abschnitt der Stadtmauer von Paderborn mit dem vorgelagerten Graben (Foto: LWL/Karl)

Führung zur SonderausstellungAuf der Mauer, auf der Lauer...

Noch heute prägt die mittelalterliche Befestigung das Stadtbild in Paderborn. Wie viel davon noch erhalten ist, nimmt man oft gar nicht mehr wahr. Nach einer Einführung im LWL-Museum in der Kaiserpfalz lädt ein Rundgang zu ausgewählten Überresten der Stadtbefestigung ein, genauer hinzusehen. Die Teilnehmenden entdecken einen ungewöhnlichen Wegezoll, ermitteln mit historischen Methoden die Höhe der Mauer und erfahren, warum „Spießer:in“ früher gar kein Schimpfwort war.

Samstag, 11.12. und 18.12. sowie in den Ferien Mittwoch, 22. und 29.12.21, 14 Uhr, ca. 1,5 Stunden

Treffpunkt im Museum
Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre sind kostenfrei; Erwachsene zahlen nur den Museumseintritt
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bitte denken Sie an feste Schuhe und wetterfeste Kleidung. Es gilt die 2-G-Regel. In den Ferien, in denen keine Schultestungen stattfinden, ist ein negativer Testnachweis bzw. ein Impf- oder Genesungsnachweis für Kinder und Jugendliche erforderlich.

Stadtplan zum Rundgang "Auf der Mauer, auf der Lauer"

Stadtplan von Paderborn. Markiert sind die fünf historischen Tore und interessante Stationen im Stadtrundgang (Grafik: LWL/Heilmann)